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Kommentar
Wer und was kommt nach Stoiber?
Fangen wir mit Alois Glück an. Der große Stratege und Kopf der Christlich Sozialen Union in ihrer namentlichen Bedeutung hatte in seinem Leben nur eine, allerdings schwere Niederlage erlitten. Er unterlag Edmund Stoiber als es um den stellvertretenden Parteivorsitz ging. Mit einer anderen Entscheidung im Jahre 1989 wäre Bayern einen anderen Weg gegangen.
Das Christlich-Soziale Gewissen hätte mehr Gewicht erhalten. Dabei hätte Glück als möglicher Ministerpräsident wirtschaftliche Interessen des Freistaats nie aus den Augen verloren. Er ist nicht nur, wie eine Zeitung formulierte, der „Gutmensch von der Traun“, sondern ein überaus machtbewußter und auch sehr geradliniger Politiker. Glück und Stoiber bestimm(t)en Grundsatzprogramme der CSU. Bei Stoiber blieb letztlich die Forderung nach Schuldenabbau übrig. Dem wurde – möglicherweise richtigerweise - alles untergeordnet. Der politisch ziemlich unverdächtige Bayerische Oberste Rechnungshof, Verbände und Kommunen beklagen einen sich rächenden Investitionsstau.
Damit wird sich der Nachfolger von Stoiber herumschlagen müssen. Der jetzige Ministerpräsident wird 2008 oder 2010 abtreten. Daran scheint kein Zweifel zu bestehen. Wer wird sein Nachfolger? Das bestimmen die bestehende CSU-Fraktion oder die große Unbekannte nach den Wahlen. Die vorbestimmten Minister Beckstein und Huber scheinen aus dem Rennen. Die Schreibe attestiert ihnen hohes Alter oder auch entgegenstehende gesundheiltiche Gründe. Meine Güte. Die sind schlaffe sechzig Jahre alt und viele leitende schreibende Fünfzigjährige würden ihnen auf einer Hundert-Meter-Strecke hinterherkeuchen. Doch irgendwie wirken beide nach Stoibers Berliner Rückzugschaos im Gefolge der letzten Bundestagswahlen verbrannt.
Wer bleibt übrig? Der geborene Nachfolger wäre Fraktionschef Joachim Herrmann. Offen ist eigentlich nur die Frage, ob er sich das antut oder zutraut. Zwar gibt es einigen Mißmut in der Fraktion über seinen Führungsstil, doch 2008 dürfte es gegebenenfalls ein klares Votum für ihn geben. Wenn er will. Denn nicht nur Herrmann sondern schon vor ihm Alois Glück haben die Machtfülle an der Spitze eines Mehrheitsmandats erspürt.
Was eine stark geführte Fraktion vermag, merkte erstmals Franz Josef Strauß, als er in Sachen Benzin-Steuerfreiheit für Privatflieger unversehens über die Landebahn rutschte. Auch Stoiber „empfing“ nicht nur den Fraktionschef sondern nutzte regelmäßig den Seiteneingang des hübschen Bungalows nahe eines Bauernhofs in Traunwalchen.
Herrmann ist ähnlich versteckt effektiv wie sein Vorgänger. Gegen einen Grundig-Abgang konnte er noch wenig ausrichten. Doch es kommt doch nicht von ungefähr, daß aus der verschlafenen unattraktivsten Großstadt Deutschlands rund um den Plärrer ein Wissenszentrum wurde – trotz SPD-Oberbürgermeistern, wie Spötter meinen.
Solcher Transfer ist durchaus auch anderen Beteiligten zuzuschreiben, wie etwa dem oft unterschätzten Kultusstaatssekretär Karl Freller (Goldstadt Schwabach) oder auch der kommunalpolitischen Sprecherin der SPD, Helga Schmitt-Bussinger (Nürnberg).
Aus solchen Gefilden kommt auch eine Fürther Landrätin. Wer sagt denn, daß Gabriele Pauli-Balleis nicht auf ihrem Motorrad an die Spitze der CSU braust. Ausgebremst vielleicht von der aus Neu-Ulm stammenden Justizministerin Beate Merk. Die beiden Stoiber-Stellvertreterinnen im CSU-Vorsitz hätten beide das Zeug für die Führungsposition. Der in der Partei ewig umstrittene Erstkandidat Horst Seehofer(Ingolstadt) kann sich da nur warm anziehen..
Seehofer gilt auch als Kandidat für das Amt des künftigen Ministerpräsidenten. Wie das gehen soll ist noch unklar. Der „Horst“ ist in der Bevölkerung beliebt, gilt in der Partei jedoch als Wackelkandidat. Er sei derart prinzipientreu, so der parteiinterne fast fröhliche Unkenruf, daß er für ein absolutistisches Spitzenamt nicht in Frage käme.
Bayern steht – bislang etwas unbemerkt - ein Wandel bevor. Die uneingeschränkte Vorherrschaft der Oberbayern ist in Frage gestellt. Auch im Bezirk selbst. Kandidat für den Bezirksvorsitz, den Ministerpräsidentensessel oder auch für den CSU-Parteivorsitz ist Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel. Er stammt aus dem unterfränkischen Aschaffenburg und lebt in verdächtiger Nähe zu den ewig zerstittenen Schwaben. Der Gegenkandidat, Kultusminister Siegfried Schneider, stammt aus Ingolstadt. Oberbayern, Schotterebene? Gesichert im Denken und Lenken ist dort nur Audi.
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